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Für Umwelt und Geldbeutel

Mineralwasser – nein danke!
Auch unter Menschen der Region ist es gang und gäbe: der treure Griff zum Mineralwasser. Man meint sich etwas Gutes zu tun – und schadet letztlich seiner Umwelt.

Das Geschäft mit dem sprudelnden Nass boomt. Statt bestem Wasser aus dem Hahn trinken auch wir Deutschen immer mehr Evian, Vittel oder Gerolsteiner. Multis wie Nestlé oder Danone haben es längst geschafft, Europäer und Amerikaner an die teure Flasche zu bringen. Obwohl knapp die Hälfte des globalen Angebots lediglich verarbeitetes Leitungswasser ist, bezahlen viele Phantasiepreise dafür. So bietet das Berliner Adlon für 124 Euro einen Liter des Edelwassers „Tokko No Mizu“ aus Japan an. Wie viele andere Premiumsorten wird es aus Übersee eingeflogen.
 1973 lag der durchschnittliche deutsche Jahresverbrauch noch bei 14 Litern. Bis 2005 stieg er auf 128 Liter – und wächst weiter. Dieser Boom verdankt sich dem unverdient schlechten Image des Trinkwassers aus der Leitung. Flaschenwasser dagegen verspricht Jugend und Fitness und ist ein Produkt mit lukrativer Gewinnspanne – vor allem in den Schwellenländern, wo die Menschen kein trinkbares Leitungswasser erhalten. Wen wundert es, dass manche Unternehmen dezidiert daran interessiert sind, dass die Wasserversorgung in vielen Regionen mangelhaft bleibt?
 Das meistverkaufte Mineralwasser gehört übrigens dem Lebensmittelmulti Danone. Mit einem Weltmarktanteil von 13 % verdrängte er 2001 den Konkurrenten Nestlé vom ersten Platz.

 Warum Mineralwasser? Wesentlich für den Kauf von Flaschenwasser ist offenbar die Sorge um die Güte des Leitungswassers. Wer also teures Mineralwasser verkaufen will, verunsichert am besten die Nutzer von Leitungswasser und sät mehr oder minder offen Zweifel an seiner Qualität. Genau deshalb starten bereits 1996 die Stadtwerke München- unterstützt vom Bund Naturschutz in Bayern – eine Kampagne für ihr Leitungswasser und legten sich bewusst mit dem Verband der Mineralwasserindustrie an. In Anzeigen und auf großformatigen Plakaten hieß es: „Hängen Sie noch an der Flasche? Wir liefern Ihnen frisches Quellwasser direkt ins Haus, den Kasten für 1,7 Pfennige. Zapfen Sie selbst!“
 Der Mineralwasserverband wollte einen Stopp der „irreführenden, diskriminierenden und wettbewerbswidrigen Kampagne“ erzwingen. Doch der Chef der Münchner Wasserwerke setzte noch eins drauf „Unsre Botschaft ist: Wasserschleppen überflüssig! Unser Wasser ist besser als das der Mineralbrunnenindustrie“.

 Und das gilt bis heute. Denn was aus dem Wasserhahn sprudelt, ist – anders als sein Ruf – unser bestkontrolliertes Lebensmittel. Leitungswasser enthält alles Lebensnotwendige. Zusätze (wie sie die Mineralwasserindustrie bewirbt) sind in aller Regel ganz irrelevant. Vorsicht beim Trinken von Leitungswasser ist hierzulande nur bei alten Rohrleitungen geboten, die Blei oder Kupfer enthalten. Im Zweifelsfall empfiehlt der BUND, das eigene Leitungswasser testen zu lassen – zum Beispiel vom örtlichen Wasserversorger. Bis Sie Gewissheit haben, sollten Sie (nach längerer Standzeit des Wassers) die ersten Liter aus dem Hahn zum Blumengießen verwenden. Etwaige Anreicherungen von Schwermetall sind dann größtenteils ausgespült.

 Der Boykott von Mineralwasser empfiehlt sich auch wegen seiner verheerenden Energiebilanz: durch Aufbereitung, Abfüllung, Flaschenwäsche, Transport und Rücktransport der Flaschen – oft quer durch ganz Europa – oder durch umweltschädliche Einweggebinde. Gesundes Trinkwasser braucht unbelastete Gewässer. Der von der EU geforderte „gute Zustand aller Gewässer bis zum Jahr 2015“ umfasst das Grundwasser genauso wie alle Fließgewässer und stehenden Gewässer. Der dafür nötige flächendeckende Gewässerschutz muss unsere Sorge für die Zukunft sein. Und er sollte auch im Interesse er Brunnenindustrie sein.

Der Autor: Sebastian Schönauer, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wasser
im März 2008 Veröffentlicht im BUNDmagazin 3/2008.

Möchte man trotz alle dem nicht auf Mineralwasser verzichten, kann man solches in Kästen z.B. im Getränke-Center Bohn oder im Lebensmittel-Geschäft Schüssler erwerben. Auch hat natürlich die Monzinger Gastronomie Mineralwasser auf der Getränkekarte.